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Liebe Kuchenfreunde und Buchliebhaberinnen, liebe Kuchenfreundinnen und Buchliebhaber,

wir laden Euch herzlich am Sonntag den 7. Mai ab 15 Uhr in die Räumlichkeiten der Translib ein, um bei einmaliger Gelegenheit sinnlichen und intellektuellen Genüssen nachzugehen: Wir veranstalten einen Kuchen-Bücher-Basar. Das heißt: Wir werden Türen und Fenster öffnen, Musik abspielen und ein paar Tische – belagert mit exquisiten Köstlichkeiten und literarischen Raritäten – aufstellen und hoffen, dass wir gemeinsam einen Sonntagnachmittag auf die schönste Art und Weise vertrödeln. Um den Bibliotheksbetrieb in der Translib alsbald aufnehmen zu können, haben wir zunächst ein paar alte, mitunter skurrile, aber dennoch lesenswerte Bücher ausgeräumt und bieten sie gegen eine kleine Spende feil. Vielleicht tragen wir hieraus einschlägige Passagen zur Erheiterung der Runde vor. In jedem Fall stehen wir für Interessierte an unserem Projekt Rede und Antwort: gern diskutieren wir über die inhaltliche Ausrichtung der Translib, geben Informationen über die laufenden Lesezirkel sowie Arbeitskreise und bieten Führungen durch die Räume, die uns zur Verfügung stehen. Da diese Räume einstweilen noch aus zu viel Wand und zu wenig Bücherwand bestehen, möchten wir auch dazu einladen, Bücher aus ihrer traurigen Privatexistenz zu befreien und dem kommunistischen Bibliotheksaufbau zu Verfügung zu stellen. Bringt also gern Druckerzeugnisse mit, die Ihr entbehren könnt und die sich ihrem Inhalt nach gut in die Regale der Translib einpassen: von kritischer Theorie im weitesten Sinne über interessante Zeitschriftenbestände bspw. feministischer oder marxistischer Herkunft bis hin zu klassischen Werken der Psychoanalyse, Philosophie, Theologie oder Geschichtswissenschaft. Die Bücher wären gut aufgehoben: Sie sollen als Hilfsmittel der kollektiven Bildungsarbeit dienen und bald im Rahmen des Bibliotheksbetriebs allgemein zugänglich sein. Sollten wir auf diese Weise den Sonntagnachmittag verbracht, den Kuchen aufgegessen und den Bücherumlauf abgeschlossen haben, können wir auch noch den Sonntagabend begrüßen. Für diesen Fall werden Getränke und Musik umgestellt. Alles in allem sind wir auf alles und jeden vorbereitet und freuen uns, diesen selbstgewählten Anlass mit Euch zu begehen.

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Tagesseminar zu Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts: Die Moralität

veranstaltet von den materialistischen Freundinnen und Freunden der Hegel‘schen Dialektik

So, 14.5.2017, 11 bis 18 Uhr

„Denn jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören.“ Dieser Satz stammt nicht von einem anarchistischen Revolutionär, sondern von demjenigen, der heute gerne als der preußische Staatsphilosoph schlechthin charakterisiert wird: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Eine Jugendsünde, zugegeben. Von diesem staatsfeindlichen Ungestüm ist in seinem späten Werk, den Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820/21), nichts mehr zu spüren. Der Staat, der einmal aufhören sollte, wird nun von Hegel wie ein Gott verehrt. Hegel sieht in ihm nicht länger die Gewaltmaschine der Unfreiheit, sondern den Inbegriff der Freiheit: „Der Staat ist als die Wirklichkeit des substantiellen Willens, die er in dem zu seiner Allgemeinheit erhobenen besonderen Selbstbewußtsein hat, das an und für sich Vernünftige.“ Die Rechtsphilosophie ist Hegels Versuch, der bürgerlichen Gesellschaft, die sich selber beständig negiert, ihr positives philosophisches System zu geben. Anders als vulgäre Ideologen erkennt er durchaus und verschweigt es nicht, dass diese Gesellschaft aus sich selbst heraus die Kräfte ihrer Zerstörung hervorbringt. Eine Einsicht, die einen Fortschritt gegenüber der abstrakten Negation des jungen Hegels, der Forderung des Aufhören-Sollens des Staates, darstellt, so wie überhaupt die Rechtsphilosophie trotz ihres positiven Charakters eine vortreffliche Schule für die Kritik des Staates ist. Denn in ihr wirkt der Geist des Widerspruchs – die Dialektik -, in dem der Ungestüm des jungen Hegels aufgehoben ist und der trotz der Bändigungsversuche des alten zur Überschreitung der Grenzen drängt. Selbst in diesem hermetischen System ist die „groteske Felsenmelodie“ der Dialektik zu vernehmen, die Marx schon in ihren Bann gezogen und seine Kritik der Gesellschaft inspiriert hat.

Wegen der Lockungen dieser Melodie gründeten wir vor drei Jahren einen Lesezirkel zur Rechtsphilosophie. Gerade haben wir die Diskussion der Moralität abgeschlossen, bei der wir uns vor allem über Hegels Unterwerfung der subjektiven Freiheit unter den Staat und Hegels Kritik an Kants Moralität gestritten haben. Nach dem abstrakten Recht und vor der Sittlichkeit bildet die Moralität, welche von Hegel auch als „Recht des Subjekts“ bezeichnet wird, den Mittelteil der Rechtsphilosophie. In diesem Kontext zielt die Moralität auf die Bestimmung des Willens in seiner Handlung. Seine abstrakt-rechtliche Vermittlung durch Eigentum und Vertrag überschreitet der Wille qua moralischer Reflexion dahingehend, dass er sich als Subjekt in seinen inhaltlichen Momenten (Vorsatz und Schuld, Absicht und Wohl, das Gute und das Gewissen) konkretisiert. Dieser Wille aber wird am Ende seiner moralischen Läuterung, die ihm das Gute zum „absoluten Endzweck der Welt“ setzt, als „die höchste Spitze der Subjektivität“ unlauter – er kommt zu Fall und wird böse. Moralität im Sinne Hegels bedeutet Selbstkonstitution und Autodestruktion des Rechtsubjekts.

Ziel des Seminars ist es, die begrifflichen Bestimmungen der Moralität darzustellen, unseren Diskussionsstand hierzu zusammenzufassen, sowie den Geist des Widerspruchs in der Kritik an Hegel auszubilden. In den letzten Jahren haben mehrere Interessierte die Tagesseminare als Gelegenheit genutzt, in unsere Arbeitsgruppe einzusteigen und wir freuen uns, wenn das auch dieses Mal gelingt. Für das Seminar bereiten wir kurze Referate vor, die als Impulse für die Diskussion dienen. Die Kenntnis der Rechtsphilosophie, wenigstens bis einschließlich der Moralität, setzen wir voraus. Auf Anfrage können wir den Text bereitstellen. Da Hegel immer wieder Kant kritisiert und wir diese Kritik diskutieren wollen, sind Grundkenntnisse der Philosophie Kants, insbesondere seine Grundlegung zur Metaphysik der Sitten von Vorteil. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 begrenzt. Eine Anmeldung per Mail an translib [at] gmx.de ist notwendig.

Tagesordnung:

1. Die Stellung der Moralität in der Rechtsphilosophie

2. Die Moralität in ihren Momenten

3. Das Recht des Subjekts als Pflicht zum Gehorsam: Kritik der Moralität

4. Hegel, Kant und die kritische Bedeutung des kategorischen Imperativs

Am 14.4.2017 und 15.4.2017 in Halle an der Saale

Mit Johannes Hauer & Jérôme Seeburger (translib Leipzig)

„Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ Auch wenn Marx in diesem berühmten Satz aus seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1843/44) ausdrücklich eine Einschränkung seines Urteils auf Deutschland vorgenommen hat, ist ihm der aufklärerische und revolutionäre Optimismus der Zeit vor der Niederlage der 1848er Revolution anzumerken. In ihm kommt außerdem die Begeisterung zum Ausdruck, die Ludwig Feuerbachs religionskritische Schriften jener Jahre in fortschrittlichen Kreisen ausgelöst haben. Mit ihnen schien tatsächlich alles Wesentliche zu der in deutschen Landen vorherrschenden Religion gesagt zu sein. Marx und Engels korrigierten diese Einschätzung jedoch später dadurch, dass sie über Feuerbach hinausgehende wesentliche Bestimmungen der materialistischen Kritik der Religion vornahmen.
Im Seminar wollen wir uns diese Bestimmungen vergegenwärtigen. Das Attribut „materialistisch“ soll nicht bloß als Etikette verwandt, sondern in einem Vortrag inhaltlich bestimmt werden. Durch den Rückbezug auf ältere Traditionen der materialistischen Religionskritik, etwa aus der französischen Aufklärung, wollen wir die Spezifik des Historischen Materialismus deutlicher hervortreten lassen. Daran schließt auf der Grundlage ausgewählter Schriften die Diskussion der religionskritischen Überlegungen Marx‘ und Engels‘ an.
Im zweiten Teil des Seminars wenden wir uns dem religiösen Bedürfnis und dem Formwandel der Religion zu. Nachdem Wissenschaft und Aufklärung den allgemeinen Geltungsanspruch der Religion zerstört hatten, der Heiligenschein beseitigt worden war, ohne das Jammertal abzuschaffen, fand sie ein Residuum in der Subjektivität. Dem zeitgenössischen Subjekt dient Religion nur mehr dazu, der eigenen Borniertheit höhere Weihen zu verleihen. Freuds und Adornos Beiträge zur Kritik des religiösen Bedürfnisses und der Privatreligionen werden in einem weiteren Vortrag dargestellt. Adornos Studien zum Aberglauben aus zweiter Hand sollen dann die Grundlage für die Diskussion der gegenwärtigen religiösen Illusionen bilden.

Das Seminar findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Jammertal und Heiligenschein. Perspektiven der Religionskritik“ des „Alternativen Vorlesungsverzeichnis Halle“ statt.

Leider gibt es keine freien Plätze mehr. Wir werden hier jedoch demnächst den Reader zum Download bereitstellen. Eventuell wird das Seminar im Laufe des Jahres noch einmal in der translib stattfinden.

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Bildausschnitt aus Dziga Vertov: Simfonija Dombassa (Entusiasm), UdSSR 1930.

Der Wert ist der Mann?!

Tagesworkshop zu Roswitha Scholz‘ Wertabspaltungstheorem

vom Lektürekurs Kritik der Geschlechterverhältnisse

25.02.2017 || 11:00 || translib

–> Hier: Der Reader zum Seminar_“Der_Wert_ist_der_Mann?!“ <–

Roswitha Scholz trat in den 1990ern Jahren an, eine materialistische Patriarchatskritik zu formulieren. Während ihre wertkritischen Genossen seinerzeit die Gesellschaft kritisierten, ohne die Kategorie Geschlecht zu berücksichtigen, war der Feminismus in Deutschland vom Hype um Judith Butlers Queer Theory beherrscht. In dieser Situation formulierte Scholz ihre steile These: „Der Wert ist der Mann“. War der Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus in der sozialistischen Frauenbewegung der 1970er Jahre noch ein zentrales Thema gewesen, verschob sich die feministische Debatte zwanzig Jahre später vom Patriarchat zur heterosexuellen Matrix und der Frage nach der (De-)Konstruktion von sex und gender. Dabei ging die Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft weitgehend verloren.

Scholz hingegen knüpfte an die „fundamentale Wertkritik“ der Gruppe Krisis an. Sie übernimmt von der Wertkritik die These, dass Gesellschaftskritik an den grundlegenden Marxschen Kategorien – Wert, Ware und Geld – anzusetzen habe. Der gesellschaftliche Gesamtzusammenhang werde danach bestimmt durch die „fetischistische Selbstbewegung des Werts“ (Scholz), die alle gesellschaftlichen Sphären durchziehe. Davon ausgehend hat Scholz ihre These der Wertabspaltung entwickelt, wonach von der Sphäre, die unmittelbar durch Wert- und Warenform bestimmt ist, eine Sphäre abgespalten wird. Diese Abspaltung ist notwendig eine geschlechtsspezifische: Die Sphäre des Werts und der Warenproduktion ist die des Mannes und des männlichen Prinzip, die abgespaltene, nicht wertförmige Sphäre ist hingegen die weiblich definierte. Die gesellschaftliche Sphärentrennung entlang des Geschlechts und die damit einhergehende Abwertung des Weiblichen will Scholz also schon in der „ökonomischen Zellenform“ der kapitalistischen Gesellschaft verorten. Damit verschränkt sie Kapital- und Geschlechterverhältnis zu einem logischen und notwendigen Zusammenhang, den sie im Begriff des „warenproduzierenden Patriarchats“ fasst.

Scholz‘ Theorie schlug bis heute hohe Wellen, vor allem im deutschsprachigen Raum: macht man sich auf die Suche nach einem materialistischen Feminismus, an dem nicht der vermeintliche „Mief“ der früheren Generation marxistischer Feministinnen haftet, wird gern Roswitha Scholz herangezogen. Ihre Theorie ist allem Anschein nach sehr attraktiv, beantwortet sie doch die Frage nach dem Zusammenhang von Kapitalismus und Patriarchat radikal, kurz, prägnant und „fundamental“. Und gerade die Hartnäckigkeit des Geschlechterverhältnis, deren Zeug_innen wir heute trotz Karrierefrauen und Hausmännern sind, findet in der These der Gleichursprünglichkeit von Kapital- und Geschlechterverhältnis eine vermeintlich einleuchtende Erklärung.

Trotzdem ist Scholz‘ Ansatz keineswegs unwidersprochen geblieben. Kritik kam aus unterschiedlichen Richtungen. So lautet etwa ein Einwand, dass der Wertabspaltungstheorie ein falscher Begriff des Werts und der Arbeit zugrunde liege. Eine weitere häufig formulierte Kritik wendet sich gegen den von Scholz behaupteten notwendigen Zusammenhang von Kapital- und Geschlechterverhältnis und betont gerade die Selbständigkeit von beiden.

Um Licht ins Dunkel dieser kontrovers diskutierten Wertabspaltung zu bringen, wollen wir uns in unserem Workshop Scholz‘ Thesen ein weiteres Mal zu Gemüte führen und uns fragen, wie dienlich sie für eine feministische Gesellschaftskritik sind. Wie überzeugend ist die Verhältnisbestimmung von Kapitalismus und Patriarchat? Und was kann sie leisten für eine Kritik des weiblichkeitsfeindlichen Geschlechterverhältnis? Ist womöglich eine Kritik des Geschlechterverhältnis, die diese nicht „logisch“ an den Wert bindet, hilfreicher, um dessen Veränderungen und Aktualität zu begreifen? Welche unterschiedlichen Konsequenzen haben die verschiedenen Positionen für einer feministische Kritik und Praxis?

Um diese Fragen zu diskutieren, möchten wir uns während des Workshops zunächst einführend die grundlegenden Annahmen der fundamentalen Wertkritik erarbeiten, um uns Scholz‘ theoretischem Ausgangspunkt sowie ihrer Abspaltungskritik zu nähern. Darauf aufbauend wollen wir anhand einer gemeinsamen Textlektüre zentrale Thesen von Scholz selbst diskutieren und uns kritisch mit diesen auseinandersetzen.

Den Reader zum Workshop und weitere Infos erhaltet ihr nach einer Anmeldung. Schreibt uns eine mail an translib_workshop@gmx.de

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und den StuRa der Uni Leipzig.

ACHTUNG — DER VORTRAG FINDET NICHT IN DER TRANSLIB STATT!

AUFGRUND DES ANDRANGS HABEN DIE VERANSTALTER DAS GANZE IN EINEN ANDEREN GRÖßEREN RAUM VERLEGT:

DAS INSTITUT FÜR ZUKUNFT

AUCH DIE UHRZEIT WURDE AUF 19 UHR GEÄNDERT.

21. November 2016 | 19 Uhr | @INSTITUT FÜR ZUKUNFT

Eine Veranstaltung des Großen Thiers.

Kritik des Islamismus und Kritik der „Islamkritik“

Die Kritik der Religion ist keineswegs schon geleistet, die doch die Voraussetzung aller weiteren Kritik sein soll. Zum einen scheint Religion überall heute, mehr als gestern, gesellschaftliche Ideologie ersten Ranges abzugeben. Namentlich in der sog. islamischen Welt, heisst es, ist Religion wieder oder immer noch eine gesellschaftliche Macht. Zum anderen ist die Religionskritik, auch die linke und revolutionäre, in die Katastrophe des 20. Jahrhunderts tiefer verstrickt, als ihre Anhänger zugeben möchten. An der Geschichte des modernen Antisemitismus kann das deutlich gezeigt werden. Gesellschaftskritik, die den heutigen Zuständen zu Leibe rücken will, kann sich nicht ohne weiteres der klassischen Instrumente der junghegelianischen Religionskritik bedienen. Sie hat diese im Gegenteil selbst der Kritik zu unterziehen. Ohne solche Ideologiekritik der bisherigen Religionskritik bleibt der Weg zu materialistischer Religionskritik versperrt. Diese Überlegungen sollen am Material aufgezeigt werden, und zwar an einer historisch-kritischen Betrachtung der islamischen Geschichte, ihrer inneren Gegensätze und Wandlungen, und ihrer Aktualisierung im modernen Islamismus. Die heute sogenannte „Islamkritik“, die solche Einzelheiten nicht zur Kenntnis nimmt, kann einen Beitrag zur Destruktion dieser Verhältnisse nicht leisten. Sie bewegt sich in den Spuren Bruno Bauers und produziert „deutsche Ideologie“. Durch den Bruch mit dieser Schule „wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus“, auch den islamischen, „sich verbessern“ (W. Benjamin)

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Seminar zur Ausbildung des Widerspruchsgeists – Das abstrakte Recht in Hegels Rechtsphilosophie

Veranstaltet von den materialistischen Freundinnen und Freunden der Hegel’schen Dialektik

So., 26. Juni 2016, 11- 18 Uhr

Der Glaube, Hegel schon lange überholt zu haben, ist unter denjenigen zur Mode geworden, die ihn wohl nie einholen werden. Dieser modische Irrglaube geriert sich als neu und kritisch, obwohl er bloß Wiedergänger des Subjektivismus und des Irrationalismus ist, die Hegel schon bekämpft hat. Im Widerspruch dazu haben wir 2014 einen Lektürekurs gegründet, um zu verstehen, was es mit dem Widerspruchsgeist auf sich hat, als den Hegel die Dialektik begreift. Da wir kein esoterischer Zirkel von begeisterten Geistersehern sind, veranstalten wir am 26.06. eine exoterische Séance, zu der wir alle Interessierten einladen. Das Seminar dient zwei Zwecken: Einmal möchten wir versuchen, die Entwicklung der Begriffe des Eigentums, des Vertrags und des Unrechts nachzuvollziehen, wie sie Hegel im Abstrakten Recht darstellt. Nachdem wir im vergangenen Jahr im Rahmen des Lektürekurses jeden § ausführlich diskutiert haben, möchten wir uns nun im Seminar den Zusammenhang des Abstrakten Rechts vergegenwärtigen. Zweitens möchten wir allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich mit den bisherigen Resultaten der Diskussion vertraut zu machen, über diese mit uns zu streiten und so eine Grundlage dafür zu schaffen, an unseren regelmäßigen Sitzungen teilzunehmen, in denen wir die Lektüre der Rechtsphilosophie fortsetzen werden.

Gegenstand des Seminars ist der erste Teil der Hegel’schen Grundlinien der Philosophie des Rechts. Wir haben uns aus mehreren Gründen für dieses Werk entschieden. Einmal ist es eine gute Wahl für die erste Hegellektüre. Die kritische Theorie der Gesellschaft wurde stark durch Hegel im Allgemeinen und seine Rechtsphilosophie im Besonderen beeinflusst. Schon Marx hat sich an ihr abgearbeitet und verdankt ihr viel. Schließlich versucht Hegel in ihr, wenn auch auf dem Kopfe stehend, den Zusammenhang der bürgerlichen Gesellschaft zu begreifen. Dazu untersucht er ihre wesentlichen Institutionen: das Privateigentum, die vertraglich vermittelte Ökonomie, die Familie, das Recht, den Staat. Er möchte zeigen, dass es sich bei diesen Phänomenen nicht um disparate, zufällige handelt, sondern um Momente der gesellschaftlichen Totalität, in der sich die Vernunft verwirklicht hat. Seine Absicht ist, die diesen Institutionen innewohnende Vernunft zum Vorschein zu bringen. Dabei stößt er auf Schranken, die ihn an der Vernünftigkeit des Ganzen zweifeln lassen. Erst Marx gelingt es, diese Schranken als Momente der Unvernunft des gesellschaftlichen Systems der Bedürfnisse zu begreifen und dessen rationale Irrationalität in der Kritik der politischen Ökonomie hervorzukehren. Damit ist Hegel jedoch keineswegs erledigt. Vielmehr lassen sich mit Hegel die meisten der gegenwärtig kritisch auftrumpfenden Dekonstruktionen und Subversionen von Recht und Staat erledigen, deren Verwirrung sich vor der Präzision der Hegel’schen Begriffsbildung blamiert.

Für das Seminar sind die Vorrede, die Einleitung und der erste Teil vorzubereiten (bis §104). Auf Wunsch kann der Text bereitgestellt werden. Es sind keine darüber hinausgehenden Kenntnisse des Hegel’schen Werks notwendig. In vom Lektürekurs vorbereiteten Referaten werden zentrale Probleme und Begriffe behandelt.

Die Teilnehmerzahl ist auf 18 begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich: translib ät gmx.de

Mit freundlicher Unterstützung des FSR Philosophie der Universität Leipzig.