Diese Bibliothek soll zu einem Stützpunkt für Leute werden, die sich nicht mit ihrem „Schicksal“ abfinden wollen, ihr Dasein als Arbeitskraftbehälter für Kapital und Staat zu fristen – für alle, die an der alltäglichen Entfremdung leiden, eingezwängt in die herrschende zweigeschlechtliche Identitäts-Norm und eine soziale Hierarchie, immerfort nur die gigantische Profitmaschinerie am Laufen zu halten, die doch nicht nach unseren Bedürfnissen organisiert ist. Diese blinde, katastrophentreibende Gesellschaftsordnung beherrscht uns verrückterweise als ihr Anhängsel und gewährt uns von dem ganzen weltgesellschaftlichen Reichtum immer nur die genau abgemessenen Krümel, die unsere Reproduktion als Ware Arbeitskraft mehr oder weniger sicherstellen – und zwar zunehmend weniger. An den Rand des Lebens gedrängt konsumieren wir stattdessen mit dem Spektakel immer mehr Bilder von dem Leben, das wir träumen sollen.

Solange wir uns nicht selbsttätig Klarheit über die Funktionsweise der herrschenden Lebensbedingungen verschaffen und unserer gesellschaftlichen Praxis nicht eine rationale Grundlage geben können, sind alle Ausbruchsversuche dazu verdammt, ins Leere zu laufen oder der gegenrevolutionären Mobilisierung in die Hände zu spielen. Gefühlssozialismus und antikapitalistisches Ressentiment führen niemals hinaus aus der Klassengesellschaft. Vielmehr befördern sie das Umschlagen von Rebellion in den Furor der antisemitischen Gesellschaft. Deshalb ist zuallererst die Feindlichkeit und Verachtung gegenüber Theorie, Wissenschaft und Vernunft in der Geschichte zu bekämpfen. Die nötige Arbeit am Begriff, die Entwicklung und Kombination unserer intellektuellen und charakterlichen Fähigkeiten und ihre Schärfung als Waffen müssen wir eigenständig als kollektive Kritikerin leisten und können sie nicht ungestraft an uns repräsentierende Chefdenker, ideologische Experten und politische Führungskräfte delegieren. Eine zivilisierte kommunistische Revolution, das heisst die Aufhebung aller Trennungen der menschlichen Gattung, kann nur das Werk der kapitalproduzierenden Klasse, also der ungeheuren Mehrzahl der Menschen selbst sein. Die massenhafte Aneignung revolutionärer Theorie ist die Bedingung für ihr Umschlagen in eine praktische assoziierte Macht der Emanzipation in allen Bereichen. Allein „die ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung selbst vermöchte die Grenzen der Aufklärung zu durchbrechen.“ (Adorno/Horkheimer)

Zum Stand der Dinge in der translib.

Die Räume der translib bieten verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Wir laden alle ein, auf der Diskussionsgrundlage unseres provisorischen Koalitionspapiers an der Arbeit einer Theorie und Praxis der Revolution mitzuwirken. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen: von der Teilnahme an den stattfindenden Lesekursen und Veranstaltungen bis hin zur regelmäßigen Mitgestaltung. Eigene Ideen für weitere Auseinandersetzungen und Veranstaltungen jeglicher Form, die unsere Anliegen teilen und erweitern, sind willkommen. Sie können in dem offenen Plenum, das derzeit jeweils am ersten Freitag des Monats stattfindet, vorgestellt werden.

Unsere Bibliothek ist derzeit noch im Aufbau begriffen. Wir verfügen über recht umfangreiche Buchbestände zu zentralen Komplexen der kritischen Theorie und der modernen Emanzipationsbewegungen (z.B. Kritik der politischen Ökonomie, Kritik der Geschlechterverhältnisse, Psychoanalyse, Studien zur Ideologiekritik, zu Faschismus und Nationalsozialismus). Die Bücher sollen als Hilfsmittel der kollektiven Arbeit dienen und bald auch im Rahmen regelmäßiger Öffnungszeiten allgemein zugänglich sein. Langfristig planen wir auch die Etablierung einer Ausleihe.

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