16 Thesen zur Degrowth-Konferenz – Broschüre veröffentlicht

Nach ihrer polemischen Intervention in Form eines Aufruf zur Schrumpfung der Degrowth-Konferenz und einer gelungenen Abendveranstaltung freut sich die Interessengemeinschaft Robotercommunismus, die Veröffentlichung ihrer Broschüre 16 Thesen zur Degrowth-Bewegung. Ein Laborbericht bekannt geben zu können. Die Printversion der A5-Broschüre ist in der translib und in den Leipziger Buchhandlungen Drift und Kapitaldruck erhältlich.

Es folgen die Vorbemerkungen aus der Broschüre und die PDF.

Vorbemerkungen:

Im Frühjahr 2014 luden einige Leute aus dem Umfeld der Leipziger translib die interessierte Öffentlichkeit zu zwei Treffen ein, deren Zweck eine gemeinsame kritische Verständigung über die derzeit entstehende Postwachstumsbewegung war. In der Einladung wurde die globale ökosoziale Krise, der sich in mehrfacher Hinsicht zuspitzende Umschlag gesellschaftlicher Produktiv- in Destruktivkräfte als realer gesellschaftlicher Grund jener Bewegung gewürdigt. Zugleich wurde jedoch die Frage aufgeworfen, „warum statt einer umfassenden kommunistischen Kritik der kapitalistischen Epoche auf dem partikularen und diffusen Begriff des Wachstums herumgeritten wird.“ Zu den Treffen kamen neben denjenigen, die an der Entwicklung einer gemeinsamen Kritik interessiert waren, auch zahlreiche semiprofessionelle Anhängerinnen der Schrumpfung, die dem Vorbereitungskreis der Leipziger Degrowth-Konferenz vom 2.-6. September 2014 angehörten. Die hier und auf diversen Degrowth-Veranstaltungen geführten Diskussionen waren in ihrer kaugummihaften Redundanz scheinbar fruchtlos, stellten aber bei näherem Hinsehen wertvolles empirisches Material dar, das uns zur Erarbeitung unseres Begriffs einer Ideologie der Postideologie verhalf. Einem dieser Treffen verdanken wir übrigens auch unseren Namen – „aber das ist ja Roboterkommunismus!“ entfuhr es einem erschrockenen Freund der Schrumpfung, als er hörte, dass steigende Automatisierung und Verwissenschaftlichung der gesellschaftlichen Produktion für uns nicht das Nonplusultra der Entfremdung darstellen. Mit einer polemischen Intervention zum Aufruf zur Schrumpfung der Degrowth-Konferenz zielten wir im unmittelbaren Vorfeld der Konferenz darauf ab, die falsche Harmonie aufzubrechen, in der die routinierten Vertreter der Bewegung jeden Widerspruch zu ersticken trachten.
In den vorliegenden Thesen möchten wir dagegen einige allgemeinere Überlegungen zum Verhältnis von kapitalistischer Produktionsweise, Produktivkraftentwicklung und Entfremdung aufstellen, begründen, warum wir den Begriff des Wachstums für eine Nebelkerze halten und aufzeigen, warum keiner der zahlreichen Ansätze von Degrowth die ökologische Krise aufhalten und ein besseres Leben herbeiführen wird. Nicht zuletzt sind sie auch ein Plädoyer für die Ausarbeitung einer kommunistischen Ökologie, denn der Zerstörung des Planeten wird mit Polemik nicht beizukommen sein. Die Form der These hat dabei den Vorteil, dass die einzelnen Thesen auch ohne den Gesamtzusammenhang des Textes für sich stehen können und somit hoffentlich auch in einem anderen sachlichen Kontext ihren Gebrauchswert behalten.
Unser Laborbericht ist mit heißer Nadel gestrickt, lückenhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – er dürfte dennoch treffender sein als alles, was im Degrowth-Orkus fabriziert wird.

Interessengemeinschaft Robotercommunismus

Leipzig, 5.September 2014

Die PDF ist eine onlinefreundliche Version, zum Ausdruck aber eher nicht geeignet, da es sich um DIN A5 Seiten handelt:

16 Thesen zur Degrowth-Bewegung (onlineversion)

Wir werden in den kommenden Tagen auch eine PDF-Druckversion bereitstellen. Für Bestellungen der Printversion der Broschüre bitte eine Mail schreiben.

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6 Kommentare
  1. Boris sagte:

    Danke für Teil zwei der polemischen Intervention bzw. alten Wein in den theoretischen Schläuchen von vorvorgestern. Das waren 5 Minuten Lebenszeit, die ich nicht in die Lohnarbeit zur Selbstverwertung stecken konnte 😉

    Das Problem mit den „Rechten“ ist, dass sie zu wenig denken und zu viel kooperieren. Das Problem mit den „Linken“ ist, dass sie zu viel denken und zu wenig kooperieren.

    Ich frage mich deshalb ebenfalls, woher diese Desktruktivität in euren sogenannten Thesen kommt und warum ihr die Chance nicht genutzt habt, auf der Konferenz mit den Rezipient_innen eurer Botschaften in den Dialog zu treten.

    Denn nachdem ihr jetzt ausführlich klar gemacht habt was euch nicht passt und was theoretisch anders sein müsste, fände ich es sehr spannend von euch zu lesen, wo ihr Ansätze für kooperative Handlungen und Dialog mit Bewegungen wie Degrowth/Wachstumswende/Postwachstumsökonomie seht und wie sich praktische Lösungen entwickeln lassen, die gesellschaftsrelevant sind und sich mit euren in vielen Punkten zustimmenswerten Ansprüchen in Einklang bringen lassen.

    Oder wolllt ihr euch als robotercommunistische Interessensgemeinschaft ausschließlich auf kritische Positionen im kleinen Kreis beschränken?

    • Wenn man festgestellt hat, dass ein Weg falsch ist, macht es keinen Sinn, diesen Weg „kooperativ“ mitzugehen, oder? Was die praktischen Lösungen betrifft, so denke ich, dass auch die Kommunisten von Heute keine Rezepte im Ärmel haben. Müssen sie auch nicht. Unter Millionen von Dumpfbacken wird schon der ein oder andere dann und wann eine zündende Idee haben, die ein revolutionäres Moment auslöst. Die Diagnose der Kommunisten steht: das Privateigentum an Produktionsmitteln ist ursächlich für den Unterschied zwischen Reichtum und Armut, zwischen Macht und Ohnmacht. Was daraus folgt ist klar: da die Kapitalisten ihre Macht nicht freiwillig hergeben, wird sie ihnen genommen werden müssen. Auf welchem Wege das erfolgen soll, darüber streiten sich die Geister. Am Ende kommt es warscheinlich ganz anders als man denkt.

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