02.04.2014 | 19 Uhr – Geschlecht und Arbeit. Vorbereitungstreffen für einen Lesekurs zur Kritik des Geschlechterverhältnis

Eine Kritik des Geschlechterverhältnisses ist ihrem Gegenstand entsprechend eine Kritik aller Lebensbereiche. Der längerfristig angelegte Lesekurs zur Kritik des Geschlechterverhältnisses möchte sich zunächst zwei Komplexen widmen: der Erarbeitung der Genese der modernen Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse und der Kritik der feministischen Ökonomiekritik.

In der Geschichte hat sich das Verhältnis der Geschlechter zueinander bisher als Formwechsel der Magdschaft vollzogen, als jeweils historisch spezifische Formen der Herrschaft der Männer über die Arbeitskraft der Frauen und Kinder. Um die gegenwärtigen Veränderungen der Arbeits-, Geschlechter- und Familienverhältnisse historisch materialistisch zu kritisieren, müssen wir die historische Genese dieser Verhältnisse von der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise bis heute nachvollziehen. Dabei müssen wir uns klar machen, was es heißt, methodisch historisch materialistisch vorzugehen.

Auch wenn der Kapitalismus die Möglichkeit der Gleichheit aller – als gleiche Anwendungsmöglichkeit der Arbeitskraftbehälter durch das Kapital – hervorgebracht hat, ist die gesellschaftliche Arbeitsteilung immer noch entlang der Geschlechterhierarchie organisiert. Da die meiste unbezahlte reproduktive Arbeit von Frauen verrichtet wird, wurde von manchen Strömungen der feministischen Theorie infrage gestellt, dass das Kapital tendenziell alle Menschen zu doppelt freien Lohnarbeiter_innen mache. Die Rezeption der Akkumulationstheorie von Rosa Luxemburg spielte dabei für den Feminismus eine große Rolle. Gezeigt werden sollte, dass die kapitalistische Verwertung des Werts notwendig auf nicht direkt über den Markt vermittelte Arbeit angewiesen bleibe, die kapitalistische, warenproduzierende Produktionsweise also von unbezahlter Haus- und Pflegearbeit von Frauen abhängig sei.
Die feministische Theorie, die in den letzten Jahren unter dem Titel „feministische Ökonomiekritik“ aufgetreten ist, schließt an diese Rezeptionslinie an, größtenteils ohne sich der Kritik, die an Luxemburgs Akkumulationstheorie und deren feministische Rezeption geübt wurde, zu vergegenwärtigen oder in ihr Denken einzuarbeiten.

Bei einem ersten Treffen in der translib werden wir überlegen, wie wir vorgehen wollen.

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